Rassistischer Überfall auf Kurden in München

18, Oktober. 2020 Sonntag - 10:51

  • Vergangene Nacht ereignete sich in München ein Angriff auf zwei Kurden. Sie wurden in einem ÖPNV-Bus von türkischen Nationalisten rassistisch beleidigt und zusammengeschlagen.

Bei einem rassistischen Überfall wurden gestern Nacht im Westend-Viertel in München zwei Kurden von einer Gruppe von fünf rechtsextremen türkischen Nationalisten in einem ÖPNV-Bus beleidigt und zusammengeschlagen. Bei den Opfern handelt es sich um den bekannten kurdischen Rapper Inan Ercik aka Exxil und den Aktivisten Azad Yusuf Bingöl. Ercik trug einen Nasenbruch und Schnittwunden im Gesicht davon. Bingöl zog sich Prellungen am Oberkörper hinzu.

Was war geschehen? Die beiden Kurden saßen in der Nacht von Freitag auf Samstag in einem Bus am Gollierplatz, als eine Gruppe bekannter türkischer Faschisten zustieg und die beiden sofort angriff. Auslöser war augenscheinlich der Schal Erciks in den kurdischen Farben grün-rot-gelb. Die Rechtsextremen riefen demnach: „Die türkische Fahne wird sich niemals senken, unser Vaterland werdet ihr nicht spalten!” und küssten die auf ihren T-Shirts abgebildete Türkei-Flagge. Anschließend begannen sie auf Ercik und Bingöl einzuprügeln, obwohl diese sich passiv verhielten und dem Angriff aus dem Weg gehen wollten.

Voll besetzter Bus, null Courage

Der Bus war relativ voll besetzt, trotzdem kam ihnen niemand zur Hilfe, so dass es der Gruppe möglich war, die beiden immer wieder anzugreifen, zu schlagen und zu treten. Einer der Faschisten spuckte Bingöl zudem ins Gesicht. Als der Busfahrer die Polizei rief, rannten die Angreifer weg.

Der Angriff wurde von den Überwachungskameras im Bus gefilmt. Die Polizei stellte die Aufnahmen sicher. Der Aktivist Azad Yusuf Bingöl wurde mit auf die Wache genommen, obwohl auch er - wie Inan Ercik - im Krankenhaus behandelt werden sollte. Bei seiner Vernehmung wollten die Beamten den Überfall als unpolitische Schlägerei deuten. Die beiden Kurden erstatteten Anzeige.

Schlägertrupps und Erdogan-Anhänger sehen sich im Aufwind

Es ist ein übliches Muster, dass ein rassistischer Angriff nicht als solcher gewertet wird. Der Angriff auf Ercik und Bingöl erfolgte, weil sie als Kurden identifiziert wurden. Dieser Angriff ist auch Ergebnis der langjährigen AKP/MHP-Politik. Nationalistische Teile der hier lebenden türkischen Bevölkerung werden permanent gegen jegliche Opposition zum türkischen Regime aufgehetzt. Vor allem Kurd*innen geraten ins Visier und sind nicht nur einer ständigen Stigmatisierung und Kriminaliserungsversuchen durch deutsche Sicherheitsbehörden ausgesetzt, sondern werden immer wieder Ziele faschistischer Angriffe von türkischen Rechtsextremen. Die Politik des AKP/MHP-Regimes reicht schon lange bis weit nach Europa, siehe die Mordaufträge von ParisWien oder Hamburg.

Türkische Schlägertrupps und Erdogan-Anhänger sehen sich im Aufwind – nicht nur durch die kurdenfeindliche Politik der Türkei, sondern auch, weil die Bundesregierung beharrlich zum türkischen Vernichtungsfeldzug gegen Kurd*innen schweigt. Sie duldet zum Beispiel auch ein Heer von Agenten in Deutschland, die im Auftrag der türkischen Diktatur denunzieren und zu Hass und Gewalt aufhetzen. Durch die Aufrechterhaltung des Betätigungsverbots von kurdischen demokratischen Organisationen und Vereinen und ergänzt durch das immer wieder erweiterte Symbolverbot unterstützt die Bundesregierung so antikurdischen Rassismus. Sie trägt dazu bei, dass das Leben kurdischer Identität zum Abschuss freigegeben wird.

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