Großer Verlust für die ezidische Gemeinschaft

15, Dezember. 2020 Dienstag - 08:45

  • Lange Jahre lebte Mam Beşîr in Deutschland, wo er sich seit Anfang der achtziger Jahre zusammen mit Mam Zekî für die Verteidigung und Organisierung der ezidischen Gemeinschaft engagierte. Nach dem IS-Überfall ging er nach Şengal, wo er nun verstarb.

Eine Nachricht, die die Koordination der ezidischen Gemeinschaft sehr betroffen macht, und ein großer Verlust für die Bevölkerung Şengals: Mit Mam Beşîr verlieren die Ezidinnen und Eziden nicht nur eine herausragende Persönlichkeit, sondern auch einen unermüdlichen Förderer der ezidischen Existenz und Selbstverteidigung. Mam Beşîr starb am Montag auf dem Şengal-Berg an den Folgen eines tödlichen Herzinfarkts. Die Koordination der ezidischen Gemeinschaft spricht seinen Angehörigen und dem kurdischen Volk ihr aufrichtiges Mitgefühl aus.

Mam Beşîr hieß mit bürgerlichem Namen Hasan Dutar. Er wurde 1956 in einem Dorf in der nordkurdischen Provinz Êlih (türk. Batman) geboren. Wie viele andere Ezidinnen und Eziden wurde auch die Familie von Mam Beşîr vom türkischen Faschismus unterdrückt und aus ihrer Heimat vertrieben. 1970 ließen sie sich in der Bundesrepublik Deutschland nieder.

Mit 27 Jahren begann Mam Beşîr sich mit einer Gruppe von Freundinnen und Freunden, darunter auch Mam Zekî Şengalî, der am 15. August 2018 durch einen gezielten Angriff der türkischen Luftwaffe nahe Koço ums Leben kam, für die Verteidigung und Organisierung der ezidischen Gemeinschaft zu engagieren. Er zählt zu den Mitbegründern der im Jahr 2003 ins Leben gerufenen „Ezidischen Demokratischen Freiheitsbewegung“ (TEVDA) und ging einige Zeit nach dem Genozid an seiner Gemeinschaft in Şengal im August 2014 durch den IS nach Südkurdistan, um eine führende Rolle bei der Reorganisierung der Bevölkerung und dem Aufbau eigener autonomer Strukturen zu übernehmen. „Er setzte sich Tag und Nacht dafür ein, dass die Angehörigen seines Volkes, die er alle als seine Familie betrachtete, in Şengal bleiben und sich organisieren. Er folgte den Spuren seines Weggefährten Mam Zekî und ist nun mit ihm vereint“, erklärt die Ezidische Koordination Şengal.

Mam Beşîr hinterlässt sechs Kinder.

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