Gedenkveranstaltung für Robert Jarowoy

11, Oktober. 2020 Sonntag - 10:48

  • In Hamburg ist Robert Jarowoy gedacht worden, langjähriger Freund der kurdischen Bewegung, der im September an einem Krebsleiden starb. Ein Nachruf aus den Bergen Kurdistans verdeutlichte die Bedeutung des Wirkens von ihm und seiner Partnerin Beate Reiß.

150 Menschen nahmen am Samstag in der Fabrik in Altona Abschied von Robert Jarowoy – wären die Bedingungen nicht an Corona angepasst worden, wären es noch viele mehr gewesen. Der jahrzehntelange Aktivist und Freund der kurdischen Bewegung ist am 21. September aufgrund einer Krebserkrankung verstorben. Viele Redebeiträge würdigten Roberts Lebenswerk, musikalisch begleitete Hozan Aydin die Veranstaltung mit traditionellen kurdischen Widerstandsliedern.

Als ihren großen Bruder, der sie als Kind mit seinen unendlichen Spielideen und skurrilen Witzen, in der Jugend als Anker der Orientierung und als Lehrer marxistischer Bildung und anarchistischer Utopien bereicherte, stellte Maria Jarowoy den verstorbenen Robert zu Beginn der Veranstaltung vor. Als einer, der es beherrschte, komplexe politische Zusammenhänge verständlich den Menschen näherzubringen, und diese mit seinen politischen Idealen zu verbinden. Sie erzählte von den Anfängen seiner Politisierung, von seinem Engagement in der Bewegung 2. Juni, von der erhofften und erwarteten Stimmung Anfang der 1970er Jahre, dass der gesellschaftliche Umbruch bald komme. Für dieses Engagement für eine Welt, befreit von den Übeln des Kapitalismus, saß Robert schon mit 21 Jahren fünf Jahre im Knast. Seinen Willen, seine Herzlichkeit, seinen Optimismus und seine Hilfsbereitschaft konnten die staatlichen Repressionsorgane trotz aller Schwierigkeiten jedoch nicht brechen.

Altonaer Manifest für eine sozial gerechte Stadtentwicklung

Ab dem Ende der 1970er Jahre sollte Altona bis zuletzt der Ort sein, an welchem Robert gemeinsam mit seiner Partnerin Beate Reiß nicht nur leben, sondern auch kämpfen wird. Die beiden waren davon überzeugt, dass man sich selbst organisieren müsse, um die Entwicklung des Stadtteils nach demokratischen, gerechten und sozialen Prinzipien zu beeinflussen. Das sei der Startpunkt gewesen für ihre Arbeit in unzähligen Initiativen, so der langjährige Freund und Genosse der beiden, Wolfgang Ziegert. Auch Dörte betonte, die Arbeit mit und das Zusammenbringen von all den Initiativen in Altona sei ein zentrales Anliegen gewesen. So werde Wissen geteilt und die „Schlagkraft“ erhöht. Eine der vielen Ideen, an welchen Robert mitwirkte – und die am Küchentisch der Ottenser Wohnung von Robert und Beate entstanden - war das Altonaer Manifest für eine sozial gerechte Stadtentwicklung. In all den Kämpfen um Altona kam es immer wieder auch zu Niederlagen und Schwierigkeiten. Von diesen ließ sich Robert jedoch nie unterkriegen.

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